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Kein kurzes TikTok-Video: Schülerprojekt führt durch die NS-Geschichte vor der Haustür
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Daverden Schüler organisierten einen Projekttag zum Nationalsozialismus in der eigenen Gemeinde. Die Zehntklässer des „Projekt Frieden“ führten jügere Klassen durch Stationen im Ort.

Daverden – Wie sah der Nationalsozialismus direkt vor der eigenen Haustür aus? Welche Schicksale gab es in Daverden? Mit diesen Fragen setzten sich jetzt zum ersten Mal die vier siebten Klassen der Oberschule am Goldbach im Rahmen eines Projekttages des „Projekt Frieden“ auseinander. Organisiert und durchgeführt wurde der Tag von Schülerinnen und Schülern der Klasse 10b, die sich seit Jahren im besagten Projekt engagieren, das von Julia Brandt und Derik Eicke betreut wird.

Selbst Babys waren Opfer: Daverdener Zehntklässler erklären Jüngeren den NS-Terror in der Gemeinde

Zum Auftakt erhielten die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler einen Einblick in die Arbeit der Gruppe. Vier Schülerinnen stellten vor, wie sich die Schule seit Jahren für Erinnerungskultur, Demokratiebildung und Friedensarbeit einsetzt. Dazu gehören unter anderem die Pflege und Bepflanzung des Grabes der Zwangsarbeiterkinder auf dem Friedhof Daverden, Recherchen zur Regionalgeschichte des Nationalsozialismus, Ausstellungen sowie regionale Gedenktafeln. Vorgestellt wurden außerdem aktuelle Projekte wie die „Friedenshecke“ – ein Lehrpfad mit heimischen Gehölzen und Informationstafeln zu Frieden, Demokratie und Nachhaltigkeit –, die Teilnahme an „Schüler helfen Leben“ oder Aktionen gegen Gewalt und Diskriminierung.

Anschließend führten jeweils zwei Schülerinnen oder Schüler des „Projekt Frieden“ eine Klasse zu insgesamt vier Stationen an der Schule und auf dem Friedhof Daverden. Dort berichteten weitere Zehntklässlerinnen und Zehntklässler über verschiedene Aspekte der NS-Zeit in der Region anhand der Gedenktafeln.

Thematisiert wurden unter anderem das Schicksal von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die sogenannten „Zwangsarbeiterkinder“, die Auswirkungen des Krieges auf Daverden sowie der Soldatenfriedhof in Daverden. Vor dem Gedenkstein an der Schule erinnerten die Schülerinnen und Schüler an das Schicksal dreier polnischer Zwangsarbeiter, die während der NS-Zeit hingerichtet wurden, nachdem sie auf einem Bauernhof Lebensmittel gestohlen hatten.

Die Schülerinnen und Schüler des siebten Jahrgangs arbeiteten mit einem vorbereiteten Laufzettel und wurden von ihren Klassenlehrkräften begleitet. „Den Jugendlichen des ,Projekt Frieden‘ war es besonders wichtig, dass Kinder bereits vor der 9. Klasse einen Zugang zum Thema Nationalsozialismus erhalten. Sie kritisieren, dass in sozialen Medien immer häufiger Falschinformationen oder Verharmlosungen der NS-Zeit verbreitet würden. Durch den Projekttag sollten die Siebtklässler konkret erfahren, welche Auswirkungen die nationalsozialistische Ideologie auch in der eigenen Gemeinde Langwedel hatte“, erklärt Derik Eicke. „Viele kennen den Nationalsozialismus nur aus kurzen Videos oder Beiträgen auf TikTok. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler sehen, dass hinter der Geschichte echte Menschen und echte Schicksale stehen – direkt bei uns vor Ort.“

Besonders betroffen zeigten sich viele Siebtklässler vom Schicksal der Zwangsarbeiterkinder. „Für viele war es schwer zu verstehen, warum selbst Babys und Kinder hier in Daverden Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen wurden“, berichtete ein Schüler der 10b.

Die Klassenlehrkräfte der siebten Klassen zeigten sich beeindruckt vom Engagement aus dem Jahrgang 10. „Die Schülerinnen und Schüler haben die Gruppen sicher durch die Stationen geführt und die Inhalte sehr souverän vermittelt“, so ein Kommentar.

Quelle: Verdener-Aller Zeitung vom 02.06.2026

https://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/langwedel-ort120521/kein-kurzes-tiktok-video-schueler-fuehren-juengere-durch-die-ns-geschichte-direkt-vor-der-haustuer-94331746.html